Palm Springs – Quartzsite

Heute heisst es packen und abreisen. Meine Tour beginnt heute, und mich zieht es durch die Berge in Richtung Arizona. Lilo bleibt noch einen Tag in Palm Springs und reist dann wieder zurück. Diese zusätzlichen Tage in Palm Springs hatten wir ursprünglich gar nicht geplant. Aber das Brainstormen in Hollywood, die Spritztour und der Pausentag an der Sonne, das waren tolle Tage.
Weil mein Gepäck jetzt den richtigen Umfang hat und ich mein Motorrad hier auch schon zweimal beladen und wieder entladen habe funktioniert das Packen gut. Und dann ist es soweit. Wir verabschieden uns. Als ich losfahre sehe ich im Rückspiegel noch, wie Lilo winkt, und sie hört mich wohl noch eine ganze Weile davonfahren.

Lilo und Martin vor der Abreise

Der Chevy Impala und die BMW

Bevor ich über meine Motorrad-Reiseerlebnisse berichte, muss ich etwas erklären: Ich habe die Angewohnheit, dass ich mit meinem Motorrad rede. Warum auch nicht? Schliesslich sind wir zusammen unterwegs und dabei aufeinander angewiesen. Und weil wir miteinander reden, darum haben meine Motorräder auch immer einen Namen. Wie sollten wir uns sonst miteinander unterhalten. Meine BMW hier heisst Olga. Das hat nichts mit der netten Dame von der BMW-Vertretung in Alhambra zu tun. Olga ist einfach der passende Name, für eine BMW im Allgemeinen, und für diese hier ganz besonders.
In den Western-Filmen gibt es manchmal Szenen, wo sich die Cowboys hinstellen, pfeiffen oder den Namen von ihrem Pferd rufen ( zum Beispiel „Fuuuury!“) und dann kommt auch prompt das Pferd daher galoppiert. Das ist nicht das, was ich meine. Im Gegenteil: Wenn ich am Morgen vor mein Motelzimmer treten und rufen würde „Ooooolga“, und da würde ein Motor anspringen und mein Motorrad würde sich von selber reisefertig vor mich hinstellen, das möchte ich nicht. Trotzdem, sie heisst Olga.

In Palm Deserts biegt die Strasse in die San Jacinto Mountains ab und schlängelt sich dann hoch, bis man dann von Südwesten über die Ebene der kalifornischen Wüste sieht. Dann geht es höher hinauf. Es wird frischer und die Umgebung verändert sich vom mediterranen Hügeligen zum alpinen Schroffen. Wie fast überall hier sieht man die Spuren von Waldbränden. Bis nach Bannings hinunter ist es eine schöne, abwechslungsreiche Bergstrecke mit vielen Fingerübungen für Motorradfahrer.

Ebene von Palm Springs

In der Ebene geht es über den Highway an Palm Springs vorbei zum Eingang des Joshua Tree Nationalparks. Lilo und ich, wir haben noch darüber diskutiert, ob sich ein Besuch in diesem Park lohnt. Die Landschaft hat etwas Weiches, Sanftes. Die Yukkapamen (=Joshua trees) haben kurze, graubraune Stämme, auf denen dann verzweigt die noch kurzen Blätter wachsen. Das erweckt den Eindruck von einem grünen Flaum, der die Landschaft bedeckt. Die sanft geschwungenen Strassen geben dem Fahren in dieser Landschaft etwas Meditatives. Es macht zufrieden, hier in aller Ruhe herumzukurven – zumindest für eine gewisse Zeit

Ebene mit den Joshua Tree Bäumen

Vom Aussichtspunkt Keys View aus sieht man diesmal vom nordöstlichen Rand in die Ebene der kalifornischen Wüste hinab und bekommt einen ganz anderen Eindruck davon.
Die Strecke bis zum südlichen Ende des Parks in der Nähe von Chiriaco Summit zieht sich dann etwas. Es ist dann wirklich auch einmal gut mit den grünen Bäumchen und den Steinskulpturen aus runden Felsen.

Die Ebene von Palm Springs von Keys View aus gesehen

Die Ebene südlich von Palm Springs von Keys View aus gesehen

Ganz am Ende wird es dann aber noch einmal richtig spannend. Obwohl in der Ebene verläuft die Strasse plötzlich in weiten Kurven und wird richtig anspruchsvoll.

Ebene am Südende des Josha Tree Parks

Dann folgt die Traverse nach Arizona. Bei diesen riesigen Distanzen hier ist das einfach eine Pflichtübung. Eigentlich hatte ich vorgesehen, Richtung Parker zu fahren und dann noch etwas weiter zum Lake Havasu. Das soll dort landschaftlich reizvoll sein. Als ich in Chiriaco Summit losfahre wird es schon dunkel. Ich schreibe meinem Hotel ein Mail, dass ich etwa um 20.00 Uhr ankomme. Und dann ist es einfach ein langes Geradeausfahren im Dunkeln, bis endlich ein Hinweis auf Parker kommt.
Runter vom Highway merke ich, dass etwas nicht stimmt. Ich hatte die Strecke falsch im Kopf und habe die Abzweigung nach Parker verpasst. Bis zum Lake Havasu sind es noch einmal 1.5 Stunden. Und es ist auch nicht 19.30, wie meine Uhr anzeigt, sondern 20.30. In Arizona ist es eine Stunde später als in Kalifornien. Ich würde also um 22.00 Uhr in Lake Havasu ankommen, müsste aber am nächsten Tag die Strecke wieder zurückfahren, da ich mich eigentlich in die richtige Richtung verfahren habe. Das Zimmer in Lake Havasu streiche ich mir ans Bein.
Ich bin in Quartzsite gelandet, einem ausgesprochenen Kleinort in der Wüste von Arizona. Beim nächsten Motel frage ich nach einem Zimmer. Die Umgebung wirkt nicht ausgesprochen sympathisch, und die ältere Dame (älter als ich) zeigt sich auch nicht gerade als Charmebolzen. Aber es ist alles sauber und soweit ok. Etwas überrascht bin ich, dass die Dame mich mit „Sir“ anspricht. Später merke ich, dass das in der Region offenbar üblich ist. Es hat also nichts mit meinen grauen Haaren zu tun. Wenigstens das.

Reiseroute am Donnerstag, 10. März 2016

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