Springerville – New Mexico

Heute fahre ich endlich die Strecke, von der Kelly so geschwärmt hat, und die auch auf der Karte so vielversprechend aussieht. Sie führt von Springerville aus nach Süden und geht durch das Nachbardorf Eager hindurch, bis man dann in sehr dünn besiedeltes Gebiet mkommt. Ganz langsam und unauffällig wandelt sich die Strasse von einem simplen Ausserorts-Gedudel zu einer Bergstrecke und wird bald richtig anspruchsvoll und toll zu fahren. Die Kurven werden mehr und mehr unberechenbar, fast heimtückisch. Da gibt es kein friedliches Vor-sich-hingleiten mehr. Es braucht tatsächlich die volle Konzentration. Ich bin froh, dass Kelly mich so nachdrücklich auf die Schwierigkeiten und Gefahren der Strecke hingewiesen hat.

Nach einer Weile erreiche in den Weiler Hannagan-Meadow. Eigentlich wäre es Zeit für eine Pause, und Hunger hätte ich auch gerade wieder. Darum halte ich vor dem Restaurant in Hannagan-Meadow an. Ein älteres Ehepaar ist mit einem Van unterwegs und hat sich offenbar genau das gleiche vorgenommen. Zu meiner Überraschung verlassen die beiden das Restaurant und steigen wieder in ihren Wagen. Ich erkundige mich, ob es denn hier nichts zu essen gäbe. Wir seien zehn Minuten zu spät, erklärt die Dame. Der Laden habe gerade dicht gemacht. Sowas habe ich auch noch nie erlebt. Das ist Pech. Dann gönne ich mir eben eine kurze Zwischenverpflegung aus dem Rucksack. Und schon geht es weiter.

Hannagan-Meadow

Kelly hat nicht übertrieben. Es ist eine dieser Strecken, wo man sich als Motorradfahrer rauf und runter tummeln kann. Mehrere Male halte ich bei einem Aussichtspunkt an, schaue mir die Landschaft an und mache Fotos. Immer wieder gibt es Schilder, die vor den Wapitis warnen. Nicht, dass ich auf der Strasse auf ein Wapiti treffen möchte, aber sehen würde ich so ein Tier eigentlich gerne. Da sind die Warnschilder aber nur leere Versprechungen.

Am Aussichtspunkt 1

Am Aussichtspunkt 2

Am Aussichtspunkt 1

am Aussichtspunkt 2

Um den Mittag herum wird es spürbar wärmer. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich offenbar über 3'000 m hoch gewesen gewesen bin. Aber jetzt bin ich definitiv in tieferen Lagen und muss mich leichter anziehen. Nach dem Mittag komme ich in die Gegend von Morinci. Das steht so auf der Karte, und wenn das dann eintrifft, dann hat das seine Richtigkeit. Auf der Karte ist aber nicht sichtbar, dass Morinci ein Bergarbeiterdorf ist. Hier wird in ganz grossem Stil im Tagebau Kupfer abgebaut. Ich erinnere mich, was Kelly dazu gesagt hat: „Arizona, that’s all about copper!“ Vom Abbau ist zuerst gar nichts sichtbar. Zuerst gibt es lediglich ein paar Warnschilder, dass hier bei Wind viel Staub herumgewirbelt werde. Das sagt mir zuerst nichts. Ich will nicht wieder den Klugscheisser geben, aber in einer staubtrockenen Zone wie Arizona, was soll der Wind denn da sonst machen, wenn nicht Staub aufwirbeln. Dann kommen die Schilder, die vor grossen Maschinen warnen, dann die, welche die Geschwindigkeit auf etwa 15 mph festlegen, und dann taucht das Abbaugebiet auf. So etwas habe ich noch nie gesehen. Da werden ganze Gebirgszüge einfach heruntergeraffelt. Das Kupfer wird irgendwie aus dem Gestein extrahiert, und dann wird ein neuer Gebirgszug aus dem Geröll wieder aufgebaut. Das Material wird von riesigen Kippern herumgefahren. Das sind die grossen Maschinen, vor denen gewarnt wird. Wo die Kipper hin und her fahren ist die Strasse gesperrt. Sie wird nur freigegeben, wenn jemand daherkommt, so wie ich.

Minenkipper

Kupferabbau 1

Kupferabbau 2

Meine bisherige Erfahrung mit Bergbau beschränkt sich auf den Steinbruch von Giacometti in Oberdorf. Da wurde etwas Jurakalk abgebaut und irgendwie verwertet. Aber das ist nichts als ein übersichtlicher Robinsonspielplatz im Vergleich zu dem, was in Morinci bzw. In Arizona los ist. Ich stehe eine ganze Weile im Gelände und schaue mir das einfach an. Wer traut sich sowas, ganze Gebirgszüge einfach herunterzuraffeln, auszulutschen und den Schrott dann wieder aufzuschichten?

Tal in Richtung New Mexico

Adlerberg

Plattfussberg

In Morinci mache ich einen späten Mittagshalt, kaufe etwas ein, tanke, und mache mich dann auf den Weg nach Silver City in New Mexico. Nachdem die Überraschung oder Konsternierung über den Kupferabbau etwas nachgelassen hat, kann ich mich wieder auf die neue Strecke einlassen. Nach dem Gebirge und dem Bergbaugebiet wird die Gegend wieder Prärie-artig und weicher.Die Farbe des Grases ist mehr graugelb als das Strohgelb in Springerville. Die Bergregion ist eine Mischung aus Canyon und Anhäufungen von runden Felsen, wie es sie im Joshua Tree Park gegeben hat. Ganz überraschend ist eine Felsformation, die etwas von einem überdimensionierten Adlerkopf hat.

Strasse und Prärie in New Mexico

Dann geht es über die Bergkette hinein nach New Mexico, nach Silver City. Ich komme rechtzeitig dort an, um in aller Ruhe auszupacken, zu tanken, zu duschen und mich fit für das Nachtleben in Silver City zu machen. Das Spezialitätenrestaurant, das gemäss Beschreibung auf Booking zum Motel hätte gehören sollen, ist aber zu und steht zum Verkauf. Da ist nichts mit dem angepriesenen Black Angus Filet, das direkt nebenan auf mich hätte warten sollen. Stattdessen gebe ich mich mit einem Salatteller irgendwo Downtown zufrieden.

Reiseroute am Donnerstag, 17. März

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