Cortez – Glenwood Springs

Das Wifi im Motel in Cortez funktioniert schlecht. Darum kann ich erst heute Morgen die Streckenplanung für heute fertigstellen. Dabei wird klar, dass der Abstecher in den Bighorn Nationalpark im Norden von Wyoming leider ausfällt, weil Strassen da noch geschlossen sind. Das verschafft mir einerseits einen zusätzlichen Tag in Colorado, und andererseits werde ich in Colorado nicht so weit nach Nordosten fahren müssen, weil ich jetzt eine Passage nach Wyoming nehmen kann, die viel weiter westlich liegt. Im Nordwesten von Wyoming liegt der Yellowstone Park. Dort sind auch die schönen Fahrgebiete.

Nachdem ich in Salt Lake City einen Plattfuss hatte prüfe ich nun jeden Morgen den Reifendruck. So auch heute, und dabei stelle ich erschrocken fest, dass ich an dieser Tankstelle den Luftdruck gar nicht richtig messen und auch nicht pumpen kann. Jedes Mal, wenn ich den Drucklufthahn aufsetze, verliert der Pneu Luft, aber ich kann nicht pumpen. Für einen kurzen Moment kommt Panik auf. Ein anderer Tankstellenkunde sieht, dass ich Schwierigkeiten habe, und gibt mir den Tipp, 200m weiter zu Walmart Autoservice zu fahren. Die seien ganz bestimmt besser ausgerüstet als die Tankstelle hier und könnten mir bestimmt auch weiterhelfen. Den Tipp nehme ich gerne an, und ich bin ganz erleichtert, als es dann auch klappt. Mit Olga ist soweit alles in Ordnung. Offenbar hat es an der Luftdruckanlage der Tankstelle einen Defekt. Der Reifendruck ist nun auf dem richtigen Niveau. Das merke ich auch. Olga fährt sich heute sauber und leicht, auch wenn etwas widrige Strassenverhältnisse da sind. Von meinem Motorrad zu Hause bin ich halt gewohnt, dass der Reifendruck nie ein Thema ist. Da prüfe ich den Reifendruck einmal beim Tourenbeginn, und dann kann ich mich einfach darauf verlassen.

Lizard Head Pass

Schneeberg beim Lizard Head Pass 1

Schneeberg beim Lizard Head Pass 2

Nachdem der erste Schrecken des Tages glücklich überwunden ist wird die Fahrt ganz prima. Meine Strecke führt über längere Zeit dem Dolores River entlang bis hinauf zum Lizard Head Pass auf 3’115 m. Hier auf der Passhöhe und in der Umgebung hat es zwar überall Schnee, aber es ist gar nicht so kalt. Ich habe gar nicht gemerkt, wie hoch hinauf es gegangen ist, so angenehm ist die Temperatur. Das Panorama auf der Passhöhe sieht genauso aus wie bei uns daheim. Ringsherum sind hohe, verschneite Berge. Und so angenehm wie die Bergfahrt war geht es auch bei der Talfahrt weiter, hinunter ins Tal bis zum Highway 50/550, auf einer landschaftlich und fahrerisch ganz schönen Strecke.

Bach bei Placerville

Im Tal unten suche ich einen Ort zum Mittagessen. Ich finde ein Restaurant, das ausschaut wie eine Mischung aus Bahnhofbuffet und MacDonalds. Aber der erste Eindruck täuscht. Es ist sauber, die Bedienung ist nett, und es gibt Spinatsalat, sehr fein und speziell, an einer heissen Vinaigrette, der bisher definitiv besten Salatsauce in den USA.
Mit dem Mittagessen ist der schöne Teil der heutigen Etappe dann zunächst auch einmal vorbei. Der Rest ist eine Traverse, die halt gefahren werden muss. Bevor ich aber dazu komme fängt es auch noch an zu regnen. Zum ersten Mal während meiner Reise muss ich das Regenkombi anziehen. Das ist eigentlich nichts Besonderes. Es ist halt jedes Mal eine umständliche Prozedur, bis ich mich in das Kombi hineingewunden habe, bis Portemonnaie, Telefon und Schlüssel richtig versorgt sind und vor allem, bis die Handschuhe dann auch noch angezogen sind und richtig sitzen. Es wird einfach alles etwas komplizierter und unbeweglicher in diesem Kombi. Aber dafür werde ich heute nicht nass.

Akropolis bei Grand Junction - Mitte

Akropolis vor Grand Junction links

Akropolis vor Grand Junction rechts

Ich weiss, dass ich in Grand Junction ich in die Schlussgerade des heutigen Tages einbiegen werde. Was ich nicht weiss: Der Ort liegt am Fuss einer einer Felsformation die aussieht, wie wenn die Natur die Akropolis hier selber gebaut hätte. Das ist eine so gewaltige Kulisse, dass ich noch einmal umkehre und ein Stück zurückfahre, damit ich einen schlauen Platz finde, um ein einigermassen rechtes Bild davon machen zu können.

Kurvige Autobahn vor Glenwood Springs

Nach der Akropolis geht es dann wirklich auf die Schlussgerade, auf den Highway 70. Das ist zwar wieder eine Autobahn, aber erstens ist sie sehr kurvenreich, und zweitens gilt hier eine Höchstgeschwindigkeit von 75 mph gilt, also 120-135 kmh. Jedes Mal, wenn ich auf eine Kombination von kurvenreicher Autobahn und grosser Höchstgeschwindigkeit treffe freue ich mich sehr. Und jedes Mal, wenn ich das so sage oder auch nur für mich so denke, dann komme ich mir ein bisschen vor wie ein altes Autopartei-Mitglied. Aber ich fahre ja anständig, und Kurven fahren auf einer guten Strasse mit hohem Tempo macht mir einfach Spass. Vielleicht ist das eine Charakterschwäche. Dann werde ich sie tapfer ertragen.

Ausnahmsweise komme ich wie geplant und vor 17.00 Uhr in meinem Motel in Glenwood Springs an. Im Motel werde ich von einer sehr netten Rezeptionistin empfangen. Sie empfiehlt mir ein Zimmer im 2. OG zu nehmen, und sie hat mir damit einen sehr guten Rat gegeben. Es gibt keinen Lift in diesem Haus, und die meisten Gäste scheuen das Treppensteigen. Im 2. OG hat es daher wenig Gäste. Ich wohne diese Nacht ausnehmend ruhig und habe den feuchten Sonnenuntergang fast für mich alleine.

SA 23.04.2016

Kommentare

  • Jeanette Samstag, 14. Mai 2016 Antworten

    oh, wunderbar, die Akropolis, tolle Bilder
    (da war ich ja auch – auf der Akropolis – letztes Wochenende, Bericht folgt)

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