Seattle

Gestern Abend bin ich nach dem Essen noch etwas in der Umgebung herumgelaufen. Dabei habe ich gesehen, dass es in unmittelbarer Nähe meines Hotels ein „Café Suisse“ gibt. Das hatte leider schon zu, aber im Schaufenster habe ich gesehen, dass dort die klassischen Schweizer Produkte angeboten werden, Ragusa-Schoggi zum Beispiel. Dort gehe ich heute Morgen hin und schaue, ob ich da ein Frühstück bekomme.

Strasse in Seattle

Café Suisse

Eines ist klar: Die Bedienung hier ist durch und durch amerikanisch. Ich frage sie, warum der Laden hier Café Suisse heisst. Sie zögert etwas, dann meint sie, weil sie eben so typische Schweizer Produkte hätten. Das Schokoladepulver für ihren Mocha sei so ein Schweizer Produkt. Ich setze mich mit einem echten Schweizer Kräutertee und einem feinen Stück Schweizer Schoggitorte in eine Ecke. Da kommt ein Mann von hinten in das Café, bespricht sich kurz mit der Bedienung und schaut sich dann im Geschäft um. Ich grüsse und frage, ob er der Mister Café Suisse sei. Das ist er. Ob er denn aus der Schweiz sei. Das ist er auch. „Vo wo de?“ frage ich. He he, diesen Überraschungscoup habe ich vorgestern dem Rainer aus Deutschland abgeguckt. Tatsächlich macht mein Gegenüber genauso grosse Augen, wie ich sie vorgestern gemacht habe. Er heisst Urs Berger, kommt aus Bern, ist zehn Jahre älter als ich und lebt seit einigen Jahren hier in Seattle. Er erzählt eine spannende Geschichte. Als junger Mann hat er in der Schweiz einmal eine amerikanische Autostopperin mitgenommen. Daraus hat sich für eine Weile eine Fern-Nah-Fern-Nah-Beziehung ergeben, die sie dann irgendeinmal beendet hätten. Er hat dann in der Schweiz geheiratet, hat zusammen mit seiner Frau Kinder bekommen und grossgezogen und fleissig gearbeitet, wie man es eben als normaler Schweizer so macht. Die Ehe ist dann brüchig geworden und schliesslich auseinander gegangen. Irgendeinmal hätte seine alte Liebe aus den USA angerufen. Der war es in der Zwischenzeit ganz ähnlich ergangen. Und jetzt haben die beiden zusammengefunden und leben hier in Seattle. Urs fährt auch Motorrad und gibt mir Hinweise auf die schönen Strecken in der Region. Ausserdem unterhalten wir uns lange über Gott und die Welt und auch über Schweizer Politik. Eine spannende und schöne Begegnung!

Kugelbau

Dann mache ich mich wieder auf meinen Streifzug durch die Umgebung. Seattle hat noch mehr Charme als Portland, auch wenn überall heftig gebaut wird und es aussieht, als ob neue babylonische Türme bis zum Himmel hinauf gebaut werden sollen.

Wolkenkratzer am Abend 1

Wolkenkratzer

Wolkenkratzer am Abend 2

Gegen den Abend besorge ich mir ein Picknick-Znacht und überlege mir, wie ich am nächsten Tag nach Vancouver fahre. Soll ich einen der Ratschläge von Urs Berger aufnehmen und eine Schlaufe machen? Nein, ich mag nicht schon wieder eine Strecke zusammenstellen, mich darauf freuen und dann irgendeinmal unterwegs wieder vor einem „Closed“-Schild stehen. Ich fahre morgen in aller Ruhe über die Autobahn nach Vancouver. Wenn es unterwegs etwas Schönes zu sehen gibt, dann habe ich genügend Zeit dafür. Und sonst bin ich rechtzeitig in Vancouver und kann mich da noch etwas umschauen.
Heute werde ich mir zum letzten Mal mit Fruchtgummis und Kratom Gute-Nacht-Sagen. Morgen fahre ich über die Grenze nach Kanada. Da will ich nichts bei mir haben, was die Fortsetzung meiner Reise gefährden könnte. Die restlichen Fruchtgummis wandern gut verschlossen zuunterst in den Müll, schade.

Gerichtsgebäude mit Birkenpark

The Needle - das Wahrzeichen von Seattle

An diesem milden Abend gehe ich noch einmal hinaus und schaue mir meine Umgebung hier in Seattle in der Dämmerung an. Vis-à-vis vom Hotel ist ein grosses, modernes Gerichtsgebäude mit einem Park aus jungen Birken. Das sieht ganz malerisch aus in der Dämmerung. Die dünnen, langen Birken sehen im Halblicht ganz malerisch aus und zeigen sich wie ein organisches Pendant zur Needle, dem Wahrzeichen von Seattle.

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