Whitehorse – Olten

Die Maschine von Whitehorse nach Vancouver startet schon früh am Morgen. Kurz nach sechs Uhr hebt sie ab, fliegt in einem grossen Bogen über Whitehorse und zeigt - wie zum Abschied - noch einmal die Yukon Territories, wie ich sie kennengelernt habe: Bäume, Berge, Wasser und Weite in grün-blau-weiss-grauen Farben, die bis ganz nach hinten, bis zum Horizont reichen. Dann nimmt die Maschine Kurs auf Süden und das Land verschwindet unter den Wolken. Ich freue mich sehr darauf, bald wieder daheim zu sein. Und doch ist es auch gut zu wissen, dass ich bald wieder hier sein werde.


Quelle: www.yukoninfo.com

Schon zwei Stunden später landen wir in Vancouver. Weil der Flug nach Zürich erst um 16.30 Uhr startet, habe ich den ganzen Tag Zeit, um mich hier am Flughafen von Vancouver umzusehen. Zwei Mal spaziere ich in aller Ruhe durch das ganze Flughafengebäude und schaue mir alles an, was es hier so zu sehen gibt. Ab und zu setze ich mich in eines der vielen Flughafen-Restaurants, trinke etwas, schaue den vielen Menschen hier zu oder schreibe an meinen Blog-Beiträgen.
So um den Mittag herum fahre ich dann doch noch ins Stadtzentrum von Vancouver weil ich meine, dass ich die Zeit hier doch noch nützen und mich da umschauen müsse. Aber schon nach einer Stunde sitze ich wieder in der Bahn, die mich zum Flughafen zurück bringt, weil ich weder Musse noch Lust aufbringe, um mich nebenbei für ein paar Stunden auf die Stadt Vancouver einzulassen. Der Schalter ist bereits umgelegt. Ich bin gar nicht mehr im Modus, wo ich nach Neuem Ausschau halte. Ich bin im Heimreise-Modus, und da verbringe ich meine Zeit lieber am Flughafen mit Schreiben und Abwarten.

Die Zeit geht schnell vorbei, und schliesslich ist es so weit und ich gehe an Bord. Wieder gehe ich durch ein Fingerdock und sehe den Bug des Flugzeugs, das mich weit weg von hier bringt - diesmal allerdings zurück nach Hause. Vor genau drei Monaten sind wir in Zürich durch das Fingerdock an Bord der Maschine gegangen, die uns nach Los Angeles gebracht hat. Dabei haben wir zufällig gesehen, dass unser Flugzeug am Bug den Namen meiner Heimatstadt Solothurn trägt, ein liebenswürdiger, kleiner Zufall. Das ist zwar erst drei Monate her, und doch ist seither so viel Zeit vergangen und so Vieles ist geschehen. Auch heute schaue ich mir den Bug des Flugzeuges hier an, aber da steht heute kein Name.

Wir starten etwas verspätet und fliegen in eine kurze Nacht hinein. Nach dem Abendessen schaue ich mich noch auf dem Unterhaltungssystem um, finde aber nichts Sehenswertes, keinen Film, der mich locken würde, auch keinen Film mit Robert de Niro, nicht einmal das Fluginformationssystem finde ich. Das ist ganz gut so. Der Flug nach Osten soll einen heftigeren Jetlag bewirken als der Flug nach Westen. Wenn ich jetzt schlafen kann, dann habe ich fast eine normale Nacht hinter mir, wenn wir morgen Vormittag in Zürich ankommen.

Nach der Landung in Zürich kommt es mir vor, als würde der Film meiner Abreise vor drei Monaten rückwärts abgespielt: Ich hole mein Gepäck ab, kaufe etwas zu trinken, nehme meinen Schlüsselbund wieder hervor, packe die Dollars weg und und stecke mein Schweizer Geld wieder ins Portemonnaie. Nur mit meinem Bahn-Abonnement klappt das nicht. Die Dame am Schalter des SBB-Reisebüros am Flughafen lacht mich aus, als ich nach meiner Karte frage. Im digitalen Zeitalter muss man das Abonnement doch nicht mehr hinterlegen. Jetzt bin ich doch etwas verunsichert und schaue ganz verlegen in meinem Portemonnaie nach. Tatsächlich, meine Karte ist da. Ich hatte sie immer bei mir.
In der letzten Einstellung im rückwärts laufenden Film setze ich mich in den Zug, der mich nach Hause bringt. Mittlerweile ist es Juni geworden. Sonst hat sich hier nichts verändert. Und ich bin auch wieder da.

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